Kann man mit Privatkrediten von P2P-Darlehensplattformen ein Startup finanzieren? Wie hat sich die Attraktivität von Privatkrediten durch die Finanzkrise verändert und wie attraktiv sind Privatkredite als Geldanlage? smava-Gründer und CEO Alexander Atropé hat mir in einem Interview unter anderem Antworten auf diese Fragen gegeben.
1. Herr Artopé, momentan ist es angesichts der Finanzkrise sehr schwierig von Banken ein Darlehen zu bekommen. Wie wirkt sich das auf die Attraktivität von Privatkrediten aus? Haben Sie spürbar von der Finanzkrise profitiert?
Artopé: Ja. Im vierten Quartal 2008 ist die Anzahl der Kredite, die über smava vermittelt wurden, insbesondere bei den Selbständigen stark angestiegen. Das ist auch plausibel, denn selbständige Kreditnehmer bekommen die restriktivere Haltung der Banken bei der Kreditvergabe natürlich als erstes zu spüren. Da ist es naheliegend, sich nach alternativen Möglichkeiten umzuschauen. Smava hat von den aktuellen Entwicklungen auf den Finanzmärkten also eindeutig profitiert. Auch bei den Anlegern zeigt sich ein positiver Effekt. Im Zuge der Finanzkrise vertrauen immer weniger Anleger ihrem Bankberater und möchten lieber selbst entscheiden, wo ihr Geld investiert wird. Insgesamt kann man also von einer positiven Entwicklung für smava sprechen. Bis dato wurden über smava.de knapp 7 Mio. EUR Kreditvolumen vermittelt.
2. Ich bin selber Unternehmer und interessiere mich für verschiedene Wege, Startups zu finanzieren. Venture Capitalists sind zur Zeit sehr zurückhaltend mit Seed Financings und wollen ihre laufenden Projekte schützen. Stellen Privatkredite eine Alternative für die Finanzierung eines startups dar?
Artopé: Einer unserer USP´s besteht zwar darin, auch Kredite an Selbständige zu vermitteln - diese Zielgruppe hat es ja wie oben kurz erwähnt bei Banken besonders schwer, einen Kredit zu bekommen. Denn Banken stufen Selbständige von vorne herein schon mal als riskanter ein als einen Kreditnehmer, der sich in einem festen Angestelltenverhältnis befindet. Viele Anleger auf smava.de sind ebenfalls selbständig, kennen dieses Problem und unterstützen daher gerne Projekte von Kleinunternehmern, bei denen es z.B. um Betriebsmittelinvestitionen geht. Generell finden wir die Idee, auch Existenzgründer über smava.de eine Finanzierung zu ermöglichen, gut. Leider haben wir aber noch keinen Weg gefunden, das Risiko einer Existenzgründung oder eines Startups für unsere Anleger adäquat abzubilden. Diese quantitative Einschätzung ist aus unserer Sicht aber essentiell. Denn wir möchten das Risiko auf dem smava Markplatz auch weiterhin so transparent und planbar wie bisher halten. Verwertbare Daten, mit Hilfe derer man das Risiko quantifizieren könnte, stehen unserer Meinung bei Selbständigen erstmals nach zwei Jahren Betriebsdauer zur Verfügung. Daher können zwar keine Existenzgründer, jedoch Gewerbetreibende und Freiberufler ab zwei Jahren Geschäftstätigkeit bei smava Geld leihen. Im Vergleich zur Kreditvergabe der Banken haben Selbständige bei smava also weitaus bessere Chancen, einen Kredit zu bekommen.
3. In welche Art von “Gütern” können smava-Investoren hauptsächlich investieren und wie könnte man diese mit Anlageformen des Kapitalmarktes vergleichen?
Artopé: Werfen Sie doch ruhig mal einen Blick auf unseren Marktplatz: http://www.smava.de/Geld-anlegen+433+Aktuelle-Kreditprojekte.html
Die Verwendungszwecke der Kredite, die über smava vermittelt werden, sind breit gefächert. Die einen möchten sich ihre Traumhochzeit finanzieren, die anderen eine Bildungsreise. Einige möchten ein Autokaufen, andere wiederum Ihre Wohnung neu renovieren. Sehr viele Kreditnehmer sind selbständig oder freiberuflich und nutzen unsere Plattform, um Kapital für Investitionen zu beschaffen. Rund die Hälfte der Kredite auf smava.de wird an Selbständige vermittelt. Investments auf dem smava Kredit-Marktplatz sind vom Rendite-Risiko-Profil her vergleichbar mit Anleihen.
4. Welche Bereiche sind Ihrer Meinung nach 2009 vor allem interessant für Gründer?
Artopé: Ob eine neue Geschäftsidee funktioniert oder nicht, kann man nicht an bestimmten Branchen oder Produkten festmachen. Erfolgreich sind Konzepte immer dann, wenn sie einen klaren Nutzen und Zahlungsbereitschaft bei Kunden haben. Oftmals sind es Konzepte, die es bis dato in einem Markt noch nicht gegeben oder zumindest noch nicht in der Form gegeben hat (Pionier-Unternehmen wie z.B. eBay). Ist kein Kundennutzen gegeben, dann ist das Vorhaben aussichtslos. Allerwelts-Konzepte in einem Markt, der bereits übersättigt ist und in dem bestehende Wettbewerber bereits über einen zu großen Technologie- und Know-How-Vorsprung verfügen, haben also geringe Erfolgsaussichten. Grundvoraussetzung für jedes neue Vorhaben ist natürlich eine solide und umfassende Markt- und Potentialanalyse.
5. Benutzen Sie Twitter und wenn ja, wofür?
Artopé: Ich persönlich nutze Twitter, aber in der Firma www.smava.de nutzen wir diesen Dienst noch nicht.
Vielen Dank für das Interview! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit smava!
Meine Gedanken zum Interview:
In Herr Atropés Meinung ist die Startup-Finanzierung per Privatkredit also derzeit noch mit zu hohen Risiken Risiken verbunden. smava müsste also entweder eine unabhängige Plattform schaffen, auf der solche Finanzierungen angeboten und die entstehenden Risiken in Kauf genommen werden oder kleine eigene Fonds aus Startups zusammenstellen, um das Risiko zu streuen und Totalausfälle durch erfolgreiche Unternehmen zu kompensieren.
Als wir uns vor einigen Semestern an der Uni mit Unternehmensfinanzierungen beschäftigt haben, hat unser Prof uns einige Zahlen zur Rentabilität gegeben. In den USA haben Venture Capitalists damals einen durchschnittlichen internen Zinsfuß (also eine Rendite) von über 600 % pro Jahr auf Seed Financings erwirtschaftet, in Deutschland waren es 100 %. Startupfinanzierungen sind also sehr attraktiv, so lange selektiert wird und genügend Kapital vorhanden ist, um Totalausfälle zu kompensieren.
Ich bin überzeugt davon, dass Privatkredite in nächster Zeit sehr stark an Bedeutung gewinnen werden und ich bin gespannt, welche interessanten Projekte in diesem Umfeld noch umgesetzt werden. Vor allem bin ich auch gespannt, ob P2P-Kreditplattformen in Zukunft eine ernsthafte Konkurrenz zu Banken darstellen können.
Ein anderes interessantes Projekt fällt mir in diesem Zusammenhang noch ein. Das Hamburger Startup Couchtycoon bietet Privatleuten die Möglichkeit als Akionäre bei einen Anteil von Startups zu erwerben. Ich habe zwar keine genauen Zahlen darüber, wie erfolgreich die Plattform bisher Gelder vermittelt, aber ich glaube, ich versuche von den Herren auch mal ein Interview zu bekommen. ![]()

1 response so far ↓
1 Interview Couch Tycoon: Wie bekomme ich als Startup noch 20.000 Dollar Startkapital in der Krise? // Mai 28, 2009 at 14:56
[...] einiger Zeit habe ich hier ein Interview mit Smava-Gründer Alexander Atropé mit dem Schwerpunkt Startup-Finanzierung veröffentlicht. In diesem Artikel habe ich schon [...]
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