Vor einiger Zeit habe ich hier ein Interview mit Smava-Gründer Alexander Atropé mit dem Schwerpunkt Startup-Finanzierung veröffentlicht. In diesem Artikel habe ich schon angekündigt, dass ich den Jungs von Couch Tycoon auch ein paar Fragen zum Thema stellen werde. Hier kommt jetzt der erste Teil des Interviews mit Gründer Hans Penz. Den zweiten Teil werde ich in den nächsten Tagen auf Outsource Your Life! veröffentlichen.
1. Hallo Hans, erstmal Danke für das Interview. Du weißt ja, dass mich das Thema Startup-Finanzierung besonders interessiert. Kannst Du kurz allgemein beschreiben, was Couch Tycoon macht und wie Ihr Euch im Vergleich zu anderen Plattformen positioniert, die Kredite und Gelder zwischen Privatleuten vermitteln?
Hans Penz: CouchTycoon ist eine Start-up Finanzierungs-Community, auf der Start-up Gründer ihre Idee für eine Website oder eine App der Community vorstellen können und Communitymitglieder diese Ventures in 100 $ Schritten finanzieren können.
Kreditplattformen zählen absolut nicht zu unseren Mitbewerbern. Unsere Mitbewerber sind VISA Card und Mastercard, bei denen Gründer ihre ersten Dollar für ihr Start-up holen, indem sie die Karten bis zum Anschlag ausreizen. Dennoch; die beiden wesentlichsten Unterschiede zu Kreditplattformen wie prosper, zopa oder lendingclub bestehen zum ersten darin, dass bei CouchTycoon für den Gründer eines Ventures keine fixen, regelmäßigen Rückzahlungen des Finanzierungsbetrages fällig werden, da er das Geld nicht geliehen bekommt sondern er die Finanzierung für einen Anteil von 5 % an seinem Venture bekommt und zum zweiten, dass die finanzierten, digitalen Anteile unter den Communitymitgliedern zu frei definierbaren Preisen handelbar sind. Wie an der Börse.
2. Welche Anforderungen muss ein Startup erfüllen, das sein ganzes Gründungskapital über Eure Plattform beziehen will? Es ist zur Zeit sehr schwierig, ein Bankendarlehen zu bekommen oder eine klassische Venture Capital Finanzierung. Ist es bei Euch einfacher Kapital zu bekommen?
Hans Penz: Ganzes Gründungskapital ist sicherlich übertrieben. Wir möchten Gründern mit dem Standard-Deal (20.000 $ für 5 % Beteiligung) in sehr frühen Phasen die Möglichkeit geben, ihre ersten Dollar zu sammeln, um damit einen funktionierenden Prototypen ihres Ventures auf die Beine zu stellen und einen ersten Proof of Concept zu bekommen. Dadurch wird es für die Gründer sicherlich leichter weitere Finanzierungen zu bekommen, da sie sich schon mal einer ‘Mini Due Diligence’ stellen mussten und im Idealfall schon Erfolge vorweisen können. Aber weitere Finanzierungsrunden werden sicherlich nötig sein.
Die Anforderung an Gründer beschränkt sich unsererseits (als Plattformbetreiber) auf die Überprüfung der tatsächlichen Existenz des Gründers. Ob dessen Idee was taugt, der Gründer in der Lage ist das Venture erfolgreich umzusetzen etc, ist nicht die Aufgabe der Plattform. Wir möchten die Entscheidung, welche Ventures finanziert werden, ausschließlich den finanzierenden Communitymitgliedern überlassen. Das ist ja Sinn der Übung. Nur so können sich Gründer und Finanziers die Möglichkeiten des Internet zu Nutze machen. Der Markt soll schließlich darüber entscheiden, ob ein Venture finanziert wird oder nicht. Wir wollen nur die optimalen Rahmenbedingungen schaffen. Die an einer Idee interessierten Communitymitglieder überprüfen die Gründer online, indem sie den Gründern mit Fragen - wie bei einer Due Diligence - auf den Zahn fühlen. Der Gründer sollte dann natürlich schon in der Lage sein, die Fragen, die ihm zu seinem Venture gestellt werden, schlüssig zu beantworten um seine Anteile an die Community zu verkaufen. Im Grunde so, wie dieses Interview
3. Könnt Ihr schon sagen, wie die Wachstumspotentiale von P2P-Venture Capital sind, wie Ihr es anbietet? Finden sich genügend Kapitalgeber, die bereit sind die Risiken einzugehen und wie messt Ihr Risiken überhaupt?
Hans Penz: Nein. Das Wachstumspotential von P2P Venture Capital können wir nicht konkret abschätzen. Es ist ein völlig neues Produkt und sich dazu Studien oder Statistiken aus dem Finger zu saugen interessiert mich auch nicht im Geringsten. Für uns ist wichtig, dass wir zu jedem Zeitpunkt unseres eigenen Wachstums profitabel arbeiten.
Auch ob es genügend Kapitalgeber gibt, die bereit sind Risiken einzugehen, ist für uns nicht die Kernfrage. CouchTycoon verkauft keine Risiken; CouchTycoon verkauft die Chance bei neuen, innovativen Internet-Start-ups von Anfang an dabei sein zu dürfen, Kunst und Unterhaltung. Wir bieten damit drei völlig verschiedenen Zielgruppen ein hoffentlich attraktives Produkt. Zum einen bieten wir Leuten aus der Internetszene, wie Bloggern, Early Adopters, Studenten und Venture Capitalists die Möglichkeit ohne großen administrativen und finanziellen Aufwand beim möglicherweise ‘nächsten Twitter’ von Anfang an dabei zu sein, womit sie zeigen können tatsächlich den richtigen Riecher zu haben, anstatt nur darüber zu reden. Und natürlich um im Erfolgsfall den finanziellen Nutzen daraus zu ziehen. Mit dem ‘Venture Poster’, das den Charm der alten Aktien zurückbringt, die unsere Großeltern noch aus Papier an der Wand hängen hatten, sprechen wir Kunst Interessierte an, die einen stilvollen Wandschmuck fürs Wohnzimmer oder fürs Büro haben möchten. Da unsere Venture Poster von anerkannten ‘Gig Poster’ Künstlern in limitierter Auflage signiert und nummeriert als Siebdruck handgefertigt werden, erhält der Käufer schon alleine mit dem Kauf des Posters ein werthaltiges Kunstwerk. Da auf sogenannten Flatstock Festivals mit dieser Art von Kunst bereits seit Jahren reger Handel betrieben wird, sind CouchTycoon Venture Poster schon alleine als Poster betrachtet eine ausgezeichnete Alternative zu Bildern von Möbelhäusern, Deko-Läden oder Baumärkten, die im gleichen Preissegment mitspielen. Diese weisen jedoch meiner Kenntnis nach eher weniger Sammlerwert auf. Die dritte Zielgruppe, die CouchTycoon anspricht, sind Gamer. Wer ein Wirtschaftssimulationsspiel im Internet spielt und dabei reales Geld einsetzt, dem können wir vielleicht auch CouchTycoon schmackhaft machen. Mit der Möglichkeit die erworbenen Anteile online zu handeln und weiteren Features, die in Planung sind, hoffen wir auch bei den Gamern gut anzukommen.
Den zweiten Teil des Interviews bekommt Ihr nächste Woche auf Outsource Your Life. Darin beantwortet Hans unter anderem die Frage, wie groß die Projekte sind, die mit Couch Tycoon finanziert werden können.
Ich finde das Projekt superspannend, weil dadurch eine komplett neue Dimension von Startup-Finanzierung ermöglicht wird. Wenn Ihr selber Projekte über Couch Tycoon finanzieren oder Euer Geld in Startups anlegen wollte, schaut Euch am besten mal auf der Homepage um. Da findet Ihr alle Infos, wie Ihr selber zum Couch Tycoon werdet.

1 response so far ↓
1 Daniel // Jun 1, 2009 at 13:21
Hm, interessante IDee. Ic frage mich nur, wie einfach es ist, wirklich an Geld ranzukommen. Wenn meine Idee jetzt zum Beispiel nicht besonders ausßergewöhnlich ist, ich zum Beipsiel nur einen Webshop gründen möchte, könnte ich dann da Geld bekommen? Oder warten die Mitglieder mehr auf exklusive Geschäftsideen?
Leave a Comment